Der Fall "OV Opponent"

versuchte Verhaftung

Nicht alle Jenaer Biermann-Protestanten wurden verhaftet. Die Stasi plante im Winter 76 mich, Roland Jahn und seine Freundin Gudrun Zöllner zu verhaften (Der Verhinderte Dialog, so., S. 114, 119 ff). Aber im Westen hatte sich schon ein "Schutzkommitee Freiheit und Sozialismus" gegründet; Honecker bremste Mielke aus Angst vor einer schlechten Presse (ja, wir hatten es besser als die sowjetischen Dissidenten!).

Aber versucht haben sie es.

Weiter sagt der Herr Dr. SED-Philosoph über seinen Studenten: "Im Ergebnis mußte ich feststellen, daß Reiprich in allen Fragen einen verhärteten Standpunkt vertritt, der in grundsätzlichen Punkten mit der Grundlinie der Beschlüsse von Partei und Regierung im Widerspruch steht und unserer sozialistischen Ordnung Schaden zufügt. [...] Im Verlauf der Diskussion gab er ein offenes Bekenntnis zu Dubcek ab und sprach sich gegen die Hilfeleistung der sozialistischen Bruderarmeen 1968 in der CSSR aus. Für mich vertrat Reiprich hier offen die Konterrevolution, und ich bezeichnete ihn als einen ideologischen Vertreter davon."

Das sagte der Mann nicht irgendjemanden, sondern der Stasi, die einen politischen Prozeß vorbereitete (daß es nicht dazu kam, steht auf einem anderen Blatt).

Sein Kollege Dr. Höfer haut in die selbe Kerbe: "Da ich selbst einige Lehrveranstaltungen [...] hielt, fiel mir nach einiger Zeit auf, daß Reiprich über dem damaligen Niveau der Gesamtheit der Studenten liegende Kenntnisse in Marxismus / Leninismus besaß. Schon zur damaligen Zeit stellte er in verschiedenen Lehrveranstaltungen provokatorische Fragen, die zwar geschickt verkleidet waren, aber mit unserer Auffassung zu Marxismus / Leninismus nichts mehr zu tun hatten. [...] Erst nach der FDJ-Wahlversammlung Oktober 1975 wurde klar, was Reiprich mit seinem Verhalten erreichen wollte. Er trat dort sehr offensiv auf und erreichte auch, daß eine andere Genossin als FDJ-Sekretärin gewählt wurde. Von ihr erhoffte er sich sicherlich, daß sie besser in seine ´Linie´ passen würde. In der Folgezeit führte Reiprich eine Reihe von Diskussionen mit verschiedenen Studenten, um Anhänger zu gewinnen". (Hervorherhebungen wie im Original der Stasiakten - S.R.). Der Krypto-demokratische Unterwanderer war damals überigens gerad 20 Jahre alt...


Viele von uns wurden unter "Operative Personenkontrolle" genommen - mit dem mittelfristigen Ziel der Verhaftung, der i.A. jedoch ein OV vorausging.

In meinem Fall berichtete die Stasi halbjährlich, daß es wieder nicht gelungen sein, einen geeigneten IM heranzuführen.

Das lag auch am Umfeld von der Uni "geexter" studentischer Staatsfeinde, die zur Strafe in die "herrschende Klasse" hinabgestoßen worden waren - unter Arbeitern fand SED&MfS als selbsternannte Vorhut und Avantgarde des Proletariats nicht genug Spitzel...


Da mochte der Laden auch Roter Oktober heißen - nichts ging... Danke Kollegen!

Und es gab auch bessere Tage..


Der halbe OV Opponent beim Konspirativen Waldspaziergang!

V.l.n.r.: Christine Reiprich, Siegfried Reiprich, Petra Falkenberg, Roland Jahn, Lina Jahn-Falkenberg (die Kleine), Ingo Güther.

Das war im April 1980. Zwei Jahre später waren alle im Knast oder im Westen oder im Westen nach dem Knast - genötigt, nach zermürbenden Jahren der "Zersetzung" wurden wir alle.

Wir gehörten dann zu den Dritten Deutschen, wie es Freya Klier heute ausdrückt (ihre Homepage hier).

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