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 Quo vadis CDU? Die Union und der Osten

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Quo vadis CDU? Aspekt: Die Uni
(aus: Berliner Beiträge - die Berliner CDU zu Fragen der Zeit, Teil 3; ungekürzte Fassung)

von Siegfried Reiprich und Vera Lengsfeld

Einleitung

Es ist ein alarmierendes Zeichen wenn ein linker Philosoph zur Wahl 98 sagt: "...es sind zwei Sozialdemokratien, die sich miteinander streiten, darunter eine mehr national getönte, mit konservativen Reizwörtern operierende, sogenannte christliche. Wir haben nur sozialdemokratische Politiken."1 Kann die Union jedoch einen Wettlauf mit der Linken gewinnen, wenn sie in die gleiche Richtung rennt?

Sloterdijk weiter: "Die ganze moderne Welt beruht auf dem sozialpsychologischen Kontrakt, daß die Grundforderungen von Menschen nach Immunität, nach Schutz, letztem Halt und letzter Auslegung des Daseins progressiv umformuliert wurden von religiösen Standards in exakte sozialtechnologische und medizinische." (Dies wird gemeinhin mit "Säkularisierung" bezeichnet.) "Das heißt, wir haben ein modernes Medizinsystem anstelle einer traditionellen Religion und einen modernen Wohlfahrtsstaat mit seinem gesamten Sicherheitsangebot anstelle einer gemeindlich integrierten christlichen Risikokultur."

Nun ist zu fragen, ob und inwieweit es möglich und überhaupt wünschenswert ist, diesen Prozeß zurückzudrehen, oder zu bremsen, oder in eine andere Richtung zu gelangen. Die Geschichte ist immer offen. Es gibt kein unaufhaltsames "Rad der Ge-schichte", aber man kann auch "nicht zweimal in den selben Fluß steigen" (Heraklit). Wie auch immer, es muß etwas geschehen, denn der moderne Wohlfahrtsstaat hat längst die Grenzen seiner Finanzierbarkeit überschritten. Globalisierung, demographische Entwicklungen, Zuwanderungsdruck und nicht zuletzt das Negativ-Erbe des real-sozialistischen Bankrotts in materieller und geistiger Dimension machen neue Lösungen unabdingbar.

Dabei wird es für die Union darauf ankommen, auf der Basis des christlichen Menschenbildes glaubwürdig ihren eigenen Weg zwischen sozialdemokratisch-sozialistischem und neoliberalem Materialismus zu gehen. Denn weder die Illusion, der Mensch sei gut, wenn er gut versorgt sei, noch die Vorstellung, der Wettstreit partikulärer Interessen würde im Gemeinwohl resultieren (also Adam Smith's "unsichtbare Hand"), werden sich als fähig erweisen, die Folgen einer vierzigjährigen Züchtung des homo sovieticus germanicus zu bewältigen. Aber christlich-demokratische Politik ist nicht "out" - denn "die Menschen haben sich nicht geändert, seit Moses", so Bob Dylan, der unlängst dem Heiligen Vater sein Lied widmete.
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